Der Schuh

Der Schuh: Gestern und Heute

Täglicher Begleiter, Beschützer, Trendsetter, Statussymbol, Mode-Accessoire ... Der Schuh bedeutet heute weit mehr als eine Hülle, die den Fuß vor Verletzungen schützen soll.

Neben den optischen Highlights, die ein Schuh heute erfüllen soll, muss er natürlich auch funktional sein: Atmungsaktiv, wasserabweisend, mit und ohne Luftlöcher, mit unterstützendem Fußbett zum Stehen oder mit schützender Stahlkappe um über Baustellen zu gehen. Luftig leicht als Sandale im Sommer und bis übers Knie als Stiefel im Winter.

Der Schuh hat sich in seiner Materialität und Funktion gewandelt. Aber bis heute kann der Schuhmacher jedes Material und jeden Schuh bearbeiten. Dabei ist und bleibt jedoch das Hochwertigste ist ein handgefertigter Lederschuh.

Meisterstücke: Maßschuhe

Die beste Hülle, die wir unseren Füßen geben, können ist ein Maßschuh.
Individuell gefertigt, dem Fuß angepasst - ein Meisterstück!

Geschichtlicher Exkurs:

Zu früherer Zeit, als es noch keine industrielle Fertigung von Schuhen gab und somit der Schuh verhältnismäßig teuer von Hand gefertigt wurde, konnte man schon an den Schuhen erkennen, wer wohlhabend war. Der einfache Bauer lief barfuss oder in Holzschuhen, Bürger hatten holzgenagelte Arbeitsstiefel, Kaufleute leisteten sich genähtes Schuhwerk und bei Hofe trug man reich verzierte, kunstvoll gearbeitete Schuhe.

Der Maßschuh heute:

Wenn man die Qualität eines Schuhs bestimmen will, so achtet man darauf, dass der Schuh komplett aus Leder gefertigt ist. Genauso wie vor Hunderten von Jahren ist Leder das am besten geeignete Material für Schuhe.

Der Maßschuh beginnt beim Maßnehmen. Genauestens müssen die Länge und  Breite des Fußes vermessen werden, damit der Schuh hinterher genau passt.

Diese Maße werden dann auf den Holzleisten, über den der Schuh gemacht wird, übertragen. Der Leistenboden wird mit einer Lederschicht bedeckt, der Brandsohle. Die Brandsohle wird je nach Art des zu erstellenden Schuhwerkes bearbeitet.

Über den Leisten und die Brandsohle wird nun das Obermaterial, im Fachbegriff  "Schaft" genannt, gespannt. Im Spitzen- und Fersenbereich werden zur Stabilisierung Lederstücke, oder wie heute verbreiteter Ersatzstoffe, eingearbeitet.

Rahmengenäht
Bei rahmengenähten Schuhen, übrigens die Qualitativ hochwertigste Maßschuhform, wird der Schaft und ein Rahmen durch eine Naht mit der Brandsohle verbunden. Bei zwie- oder trigenähten Schuhen, meistens Trachten- oder Bergschuhe, ist dieser Arbeitsgang fast der gleiche, nur die Rahmenform unterscheidet sie von rahmengenähtem Schuhwerk.

Holzgenagelt
Bei holzgenagelten Schuhen wird der Schaft durch eine Naht mit der Brandsohle verbunden und anschließend ein Rahmen mit Holznägeln befestigt.

Geklebt
Bei geklebten Schuhen wird der Schaft und anschließend der Rahmen einfach auf die Brandsohle geklebt.

Der Schuhboden wird nun durch Kork oder ein anderes "Ausballungsmaterial" eingeebnet, und im Gelenk eine zusätzliche Versteifung eingearbeitet.

Weitere Verarbeitung:
Die nun folgende Besohlung kann durch Aufnähen (bei rahmengenähter und zwi- bzw. trigenähter Schuh), mit Holznägeln oder durch Verklebung erfolgen. Nun wird noch der Absatz, am besten mit Lederflecken, aufgebaut und der ganze Schuhboden geschliffen, eingefärbt und auf Hochglanz poliert. Nachdem der Leisten entfernt ist, wird die Brandsohle noch mit Futterleder verkleidet.
So, nun ist der Schuh fertig zum Reinschlüpfen und sich jahrelang darin wohlfühlen.
Er ist zwar teuerer als ein Fabrikschuh, aber jeden Euro wert!

Aufbau eines handgemachten Lederschuhs:

Absatzflecke
Der Absatz wird aus Bodenleder, meistens aus dem minderwertigem Halsstück, aufgebaut.

Brandsohle
Die Brandsohle ist je nach zu erstellendem Schuhwerk 2-4 mm stark und gibt einem Guten Schuh die Festigkeit die eine lange Lebensdauer ermöglicht.

Decksohle
Die Decksohle verdeckt die Brandsohle im Innenbereich des Schuhs. Sie ist zu 2/3 oder auf der kompletten Brandsohle und ist oftmals mit dem Namen des Herstellers beschriftet. Das Leder kann natur- oder Chrom- gegerbt sein.

Futter
Das Innere des Schuhs ist mit Natur- oder Lohgegerbtem Leder ausgekleidet. Diese Leder haben direkten Kontakt mit dem Fuß und müssen Schweiß aufnehmen und abgeben.

Gelenkfeder
Die Gelenkfeder ist bei Damenschuhen aus Stahl, aufgrund der besseren Stabilität die hohe Absätze verlangen. Bei Herrenschuhen genügt meistens eine hölzerne Gelenkfeder oder ein hartes Lederstück das mit Holznägeln auf der Brandsohle fixiert wird, als Gelenkstütze.

Gummi- oder Lederabsatzfleck
Der Absatz wird mit Leder das an den Abnutzpunkten durch Rivets (kleine Nägel) verstärkt ist, oder aus Gummi der eine bessere Abnutzqualität verspricht, beschlagen.

Eine schöne Alternative bieten auch Lederabsätze mit Gummiintarsie an den hinteren Ecken.

Hinterkappe
Die Hinterkappe wird bei gutem Schuhwerk, wie früher aus eichenloh gegerbtem Leder gefertigt. An den Kanten auf 0 ausgeschärft und fest mit Oberleder und Futterleder verklebt bietet sie nach Fertigstellung des Schuhs einen festen Halt im Fersenbereich.

Keder
Der Keder ist ein keilförmiger Lederstreifen der die Rundung des Absatzes, manchmal auch der Sohle egalisiert. Er kann durch Holznägel oder eine Naht fixiert werden.

Korkausballung
Die Ausballung füllt den Bereich der Schuhsohle der nicht durch das nach innen geschlagene Oberleder verstärkt ist. Kork ist dafür der ideale Werkstoff da er luftdurchlässig, dämmend und dämpfend ist, außerdem natürlich und nachwachsend.

Laufsohle
Die Fläche der Sohle die beim fertigen Schuh zu sehen ist, nennt man Laufsohle. Bei der klassischen Schuhherstellung ist diese Sohle aus Leder, mit der Brandsohle durch einen Rahmen und eine Naht oder durch Klebstoff oder Holznägel verbunden. Zum Schutz vor Nässe oder um den Schuh strapazierfähiger zu machen, kann zusätzlich eine Gummisohle aufgebracht werden.

Oberleder
Der Schaft, auch Oberleder genannt, ist aus Gründen der Witterungsresistenz meisten mit Chromgegerbtem Leder, in Einzelfällen auch mit Fettgegerbtem Leder gefertigt.

Rahmen
Aus Bodenleder gefertigt hat der Rahmen die Aufgabe die Sohle mit dem Oberleder zu verbinden. Sei es durch eine Naht oder Holznägel oder geklebt, richtig befestigt verhilft er dem Schuh zu einer langen Lebensdauer.

Überstemme
Aus dünnem Leder gefertigt und auf 0 ausgeschärft, bilden die Überstemme den Übergang von der Hinterkappe zur Vorderkappe.

Vorderkappe
Die Vorderkappe bietet das Gegenstück zur Hinterkappe im Zehenbereich.

Landesinnungsverband Bayern des Schuhmacher-Handwerks
Fürther Freiheit 6,90762 Fürth
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